Erlebnis: Karpfen angeln in Afrika

Das bin ich, der Bertholm, ganz „privat“!


 

Hallo Carp - Rulez und Leser der Seite,

 

lasst mich mich kurz vorstellen. Mein Name ist Bertholm Scheidt, ich bin der kleine oder sagen wir mal etwas kleinere Bruder vom Gunther Scheidt, der ja so zu sagen eine, wie sagt man so schön, Koryphäe auf dem Karpfenangelgebiet ist.

Ich stand lange im Schatten meines großen Bruders, er hat studiert, ich habe eine Ausbildung gemacht und so, aber eigentlich kommt es darauf doch gar nicht an, das muss heut zu tage reichen. So sehe ich es.

Und beim Angeln macht es sowieso keinen Unterschied ob man schlauer ist oder nicht. So sehe ich es jedenfalls und ich denke ihr werdet mir zustimmen.

Nun gut, genauso wie Gunther komme auch ich aus Mahsch.Studiert habe ich wie gesagt leider nicht, sondern eine solide Handwerkerausbildung gemacht und im Anschluss einen anspruchsvollen Job bei der AGME (Arbeitsgemeinschaft Mess- und Eichwesen) als Quali-Täter angenommen, wo ich auch heute noch überprüfe, dass die Geräte die das Haus verlassen, einwandfrei funktionieren. Momentan bin ich gute 36 Jahre alt und mit mir selbst soweit eigentlich ganz zufrieden, könnte man sagen.

Ich und meine Aycha. Da passt alles.

Früher waren ich und mein Bruder öfter zusammen Karpfenfischen aber inzwischen ist die Zeit wenig geworden, vor allem bei Gunther mit seinen vielen wissenschaftlichen Arbeiten. Er ist eben sehr gescheit und deshalb auch vielbeschäftigt, alles hat nun mal seinen Preis. Und seit dem ich meine afrikanische Frau Aycha geheiratet habe, bin ich öfters im Jahr auf dem schwarzen Kontinent und habe dort auch viele neue Freunde gefunden. Jedes Mal wenn ich nach Afrika zurückkehre muss ich den Dorfbewohnern ausführlich über das Leben in Deutschland erzählen. Die ganze Dorfgemeinschaft versammelt sich dann, während ich zu den gezeigten Bildern spreche.

Gespannt lauscht das ganze Dorf was ich über Deutschland erzähle

Natürlich beschäftige ich mich in Afrika auch mit dem Karpfen angeln, denn die wenigsten Europäer wissen, dass es dort viele und zum Teil auch große Karpfen gibt. Von der Schönheit der Fische gar nicht zu sprechen: Zeiler, vollbeschuppte Spiegler, teilbeschuppte Schuppis, viele Fully Scales und auch  Two Tones: Ohne Probleme alles dabei, was das Carphunter Herz sich nur so wünschen kann. Deshalb kommt der Gunther auch immer 1x im Jahr nach Afrika und dann kann ihm der kleineBruder gleich was von seinem Knowhow zeigen.

Und daher habe ich mich entschlossen für euch als Leser malein wenig aus dem Nähkästchen zu plaudern über das Karpfen angeln in Afrika.

Denn ich habe ich mich in der Zwischenzeit schon ziemlich auf die Angelei hier eingestellt, mein Tackle dementsprechend angepasst. Nicht das neueste muss es sein, zweckmäßig, einfach und wiederstandsfähig. Und wenn nicht Fox, Huchinson oder was weiß ich drauf steht, reicht es genauso. Einzig bei den Haken vertraue ich nur auf die guten Alten von Fox, mit denen bin ich selbst bei größter Belastung noch nicht auf die Nase gefallen. Die halten was, da wird scheinbar noch echter Stahl verarbeitet und teflonbeschichtete Billig chinaprodukte.

Die Gewässer sind steinig, viel versunkenes Holz, da muss man grob fischen. Firlefanz ist fehl am Platz, das sage ich ganz klar. Wer mit 0,30er Monoanrückt, der ist selbst Schuld.

Motamba mit seinem PB!!

Oft bin ich mit Motamba, unserem afrikanischen Freund und dessen Sippschaft aus dem Volksstamm der Zulukwashwemaya unterwegs. Die einheimischen Angler nenne ich auch gerne „Schwarzangler“, trifft ja irgend wo auch zu ;-) Motamba hatte damals mit Gunther zu Studienzeiten studiert (der einzige aus dem Dorf), seitdem sind wir sozusagen befreundet, und er leistet auch gute Dienste. Er füttert meistens für mich an, kocht am Wasser und übernimmt die einfacheren Tätigkeiten. Aber das gefällt ihm, vor allem wenn er ab und an auch den ein oder anderen Karpfen an meinem Gerät drillen darf. Ein richtiger Angler ist er aber nicht. Ngiyabonga oder danke Motamba an dieser Stelle für deine Unterstützung auch wenn du das nie lesen wirst, da du ja auch kein Internet hast. Aber egal. Bist ein treuer Begleiter!

Wie sieht nun so eine Afrikasession aus fragt ihr euch bestimmt?

 

Die Gewässer, die wir hier beangeln, sind überwiegend ursprünglicher Natur. Von kleinen bis riesigen Seen ist alles dabei, die meisten sind mittelgroß. Zum Teil sind es aber auch künstlich geschaffene Baggerseen, wo vor mehreren Jahrzehnten Erdöl und Kohle abgebaut wurden. Damit kenne ich mich aus, solche Gewässer habe ich auch in Deutschland schon befischt. Auch wenn die Einheimischen es hier mit der Ölförderung nicht so genau nehmen. Immer wieder gibt es Lecks in der Nähe von Gewässern, da sind Fischsterben vorprogrammiert. Das schlimmste Fischsterben, dass ich je gesehen hatte musste ich hier miterleben.  Ich will gar nicht mehr daran zurückdenken. Viele, ich möchte  sagen abertausende toter Fische  trieben es an der Oberfläche, tote Karpfen, Moyitos und sonstige Fische soweit das Auge reicht. Und das reicht weit. An Angeln war erst nach 2-3 Tagen wieder zu denken, mit mäßigem Erfolg.  

 

Nicht selten kommt es vor, dass man Elefanten oder anderen wilden Tieren am Wasser begegnet. Ja so was gibt’s in good old Germany natürlich nicht, aber das macht es auch so spannend hier. Dann muss man zur Not zurückziehen und auch mal die Montagen einholen, denn ein wildes Tier mit Haken im Bein möchte ich nicht erleben. Motamba durfte schon mal seine Erfahrungen mit einem Löwen machen, er war unaufmerksam als er das Boot zu Wasser ließ,w ährend ich im Wagen wartete. Ein Schreckschuss verhinderte schlimmeres, zum Glück kam er mit leichten Verletzungen davon. Sein Bein ist in der Zwischenzeit wieder ganz heil. Wer sonst würde die regelmäßigen Futteraktionen so gu tübernehmen wie er? 

Gut erinnere ich mich noch, als eine Elefantenherde keine 100m von uns entfernt in der Nähe des Spots ihr Unwesen trieb. Ich dachte schon an ein Ende der Session, doch nach Einbruch der Dunkelheit als die Elefanten verschwunden waren, konnte ich einen 37er fangen. Wer hätte das gedacht, was so alles möglich ist, wenn wieder Ruhe einkehrt

Zum Thema Futter sei gesagt, man kann sich das gar nicht vorstellen, was sich in den guten Süßwassergewässern der Bergregionen hier an Fischen tummelt. Das warme Klima lässt die Tiere wachsen, gebähren und gedeihen! Neben unseren geliebten Karpfen gibt es noch eine Vielzahl anderer Fischarten, die teilweise nur hier vorkommen. So zum Beispiel die gefräßigen Moyitos, die sich auf alles stürzen, was ins Wasser fällt. Brachsen sind dagegen ein Segen, glaubt mir das! Meist werden diese Moyitos nur 30-40cm lang, aber sie vertilgen den Mais fast schneller als man ihn füttern kann. Motambas Sohn Itchikaba konnte aber mal einen Moyito mit über 60cm erbeuten. Ein wahrer Mutant, den größten den ich je zu Gesicht bekommen hatte! Schaut euch das Bild an und ihr wisst was ich meine. Und diese Moyitos können echt zum Problem werden, wenn sie in Heerscharen über den Futterspot herfallen. Vor allem wegen ihrer scharfen Zähne sind sie gefürchtet. Nicht selten kommt es vor, dass dasVorfach nach einer Attake wie abgezwickt ist. Deshalb kontrollieren wir unsere Montagen in etwa im 5 ½ Stunden Takt, um beste Chancen zu haben (Gunther hat sich da mal mit der Stoppuhr hingestellt und den Durchschnitt ermittelt. Dakommt wieder der studierte Dr. in ihm durch) Etwas Leinsamenöl aufs Vorfach zugeben erhöht zwar dessen Haltbarkeit, aber ist noch lange kein verlässlicher Schutz gegen diese Biester.

Wie schon gesagt, das anfüttern der guten Plätze übernimmt in den meisten Fällen der Motamba und das passt auch so. Grundsätzlich ist es wichtig, viel Futter sprich Mais einzubringen. Davon gibt es ja hier mehr als genug. Boilies nutze ich dabei gar nicht, erstens kennen es die Fische kaum ,zweitens wäre es für die Futtermengen, die benötigt werden viel zu teuer und drittens naschen die Einheimischen gern davon. Vor allem die Sorte Strawberry Onion hat es ihnen angetan, keine Ahnung wieso. Wahrscheinlich eine willkommene Abwechslung zu ihrem Essen, das man als Europäer fast nicht als solches bezeichnen kann. Die Gewässer hier haben wenig Struktur, einige sogar überhaupt keine. Das heißt quasi the Bait ist the Struktur, dort wo das Futter landet ,finden sich früher oder später alle Arten von Fischen ein. Gut so! Im Prinzip wird also reingeschüttet, was gerade so an Mais da ist, oft muss Motamba 2 oder3 Mal mit dem Boot raus rudern um die Mengen stemmen zu können.

Gunthers allseits bekannte und bewährte Futterformel, die ich für europäische Gewässer als Durchbruch in der Forschung bezeichnen würde trifft hier nur in den Wintermonaten von März bis September zu (Aufpassen Jungs, wir sind südlich vom Äquator!). Da passt das ganz gut. Im Sommer habe ich aber festgestellt, dass es nicht zu viel sein kann. Reinschütten, reinschütten,reinschütten ist die Devise, es ist ja genug vom Mais vorrätig. Und der Erfolg gibt mir recht würde ich sagen. Super schön beschuppte Fische bis Anfang 40Pfund konnte ich so schon aus den afrikanischen Fluten ziehen.

Über 40 Pfund. Da ist er heute noch stolz wie Schmitz Katze!
Die Montagen werden mit dem Boot abgelegt, die Uferregionen sind kahl und deshalb auch nicht interessant. Hottspots sind oftweit draußen, die besten Erfahrungen habe ich gemacht, wenn ich meine Köder in der Nähe von unterirdischen Quellen abgelegt hatte. Diese sind leicht am Blubbern an der Wasseroberfläche zu erkennen. In der Nähe einer solchen Quelle konnte auch Gunther seinen afrikanischen BP (Best d' Personnel) fangen. Darauf ist er heute noch stolz wie Schmitz Katze. Ein Prachttier! Auch wenn eigentlich ich ihm gesagt hatte, wo er seine Montagen ablegen soll.

Wir machten uns auch schon den Spaß vom selbstgebauten Floß aus zu fischen, so ist man wenigstens vor den wilden Tieren sicher. Naja, nicht ganz, vor den Krokodilen wird so ziemlich an jeder Ecke gewarnt! Ich habe es ja weiter oben schon geschrieben, man ist nicht allein hier in dieser Wildnis.Tiere, egal wohin man schaut. Man muss eben immer auf der Hut sein. Denn wir angeln fernab der Zivilisation, mit unserem alten Kleinbus fahren wir oft 2-3Stunden bis wir an die Gewässer kommen. Ein richtiges Specktakel ist das sag ich euch!

Immer wieder gern erinnere ich mich an den Besuch meines deutschen Freundes Theo im vorletzten Jahr. Da unsere Spots so gut wie tot zu sein schienen (im Nachhinein stellten wir durch Zufall bei nachfüttern fest, dass sich dort Krokodile eingenistet hatten!) probierte er sein Glück mit derNassfliege (Imitat der Tse Tse Fliege scheint hier am besten zu sein) an der Uferkante und  konnte an einer leichten 0,8lb/9ft Fliegenrute einen Schuppenkarpfen überlisten. Ich muss aufpassen, dass ich nichts falsches schreibe, bestätigte 11,35 kg wog der Bursche, da Theo es von Amts wegen mit den Zahlen immer sehr genau nimmt. Ein Beamter durch und durch eben, da kommt er auch in der Freizeit nicht raus aus seiner Haut. Am Fliegengerät eine mehr als beachtliche Leistung, würde ich mal behaupten. Die Fliegenfischer unter euch werden mir sicherlich zustimmen, nicht wahr?

Beißt über einen längeren Zeitraum nichts oder nur kleine Fische, versuchen die Familienangehörigen der „Schwarzangler“ die Fänge herbei zu beschwören. Mit Tänzen und Gesängen wollen sie den Gott der Fische,  Vögel & Termiten gütig stimmen, das ist beim Volkstamm der Zulukwashwemayaseine lange Tradition. Wir Europäer wissen, dass das nichts bringt. Aber ich  lasse die Schwarzen in ihrem Glauben. Die nächsten Fische nach der Durststrecke beißen dann meist sowieso wieder an einer meiner Ruten. Ansonsten vertreibt man sich die Zeit des Wartens natürlich auch hier in Afrika mit dem ein oder anderen Bier oder Schnäpschen. Aber da erzähle ich euch ja wohl nichts Neues,das ist seit Menschengedenken wohl in jedem Land der Welt so…

So Leute, dann hoffe ich mal, das ihr einen guten Einblick in die wilde Welt des Karpfenangelns in Afrika bekommen habt. Alles andere als einfach, aber man wird damit mit schönen und dicken Fischen, Gastfreundschaft und gutem hausgemachtem Kakteenschnaps belohnt und das obwohl man an ursprünglichen Gewässern fischt. In Europa gäbe es einen solchen „Service“ ja nur an sogenannten „Karpfenpuffs“.

In diesem Sinne wünsche ich allen aktiven und passiven Lesern eine erfolgreiche Session 2012 und sollte ich bei jemandem von euch das Interessean einer Reise auf den schwarzen Kontinent geweckt haben, ihr seid jederzeit willkommen und wisst ja jetzt über das was euch erwartet Bescheid!

 

Euer Bertholm Scheidt

 

 

©Gunther Scheidt (Liebe Leser, wichtig: Für das copyright benenne ich meinen Bruder Gunther. Das ist so abgesprochen mit ihm. Gunther hat mehr Ahnung, falls mal etwas ist, sich jemand meldet bei euch, Amt, Behörde etc etc. man muss da heut zu tage schon vorsichtig sein)

 

catch the big one